Neuhof im Taunus
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Neuhof's Geschichte


 
Neuhof verdankt seine Entstehung der strategisch bedeutenden Lage an der Kreuzung zweier alter, wichtiger Verkehrswege, der Straße Wiesbaden-Limburg (Hühnerstraße) und der Verbindung Idstein-Wehen mit Anschluss an die Hohe Straße (Bäderstraße).

Neben ihrem befestigten Hof in Wehen errichteten die Grafen von Laurenburg-Nassau, Erben der Bleidenstädter Vogtei, den Neuen Hof an dem zentralen Verkehrsknotenpunkt. Die erste urkundliche Erwähnung nennt um 1230 novis curia. Nach einigen Besitzwechseln ertauschte Graf Adolf von Nassau 1285 den Hof zu Neuhof vom Klostel Tiefenthal und richtete hier eine Zollstelle ein. Sein Sohn Gerlach stiftete eine Kapelle, die 1333 erwähnt wird. Zu dieser Zeit soll der Hof bereits zur Burg ausgebaut worden sein. Nach Auseinandersetzungen um die Zugehörigkeit verblieb nach 1405 Neuhof bei Nassau-Idstein. Es gehörte zu den bevorzugten Orten, denen der Landesherr Freibriefe ausstellte; diese wurden seit 1630 mehrfach bestätigt. Außerdem war Neuhof Gerichtssitz, zwischen 1655 und 1805 sind die Namen der Schultheißen überliefert. Auch der 1651 von Nassau-Idstein angestellte Scharfrichter Hans Leonhard Busch wohnte in Neuhof in einem noch erhaltenen Haus (Ecke Kopernikusstraße/Limburger Straße), wo ein von ihm hinterlassener Münzschatz gefunden wurde.

Schon 1536 neigten die zum Wehener Kirchenverband gehörigen Neuhofer dem lutherischen Bekenntnis zu. Die alte, zur Burg gehörige Kapelle war um 1700 so baufällig geworden, dass man sich zu einem um 1717 fertiggestellten Neubau entschloss. Eine erste Schule soll um 1610 entstanden sein; von weiteren Schulbaumaßnahmen wird 1723 und 1755 berichtet, ein heute noch erhaltenes Schulhaus wurde 1809 erbaut. Dem ehemals befestigten Hof gehörten nach einem Erbleihbrief von 1693 über 100 Morgen Äcker und Wiesen, Gärten, Haus, Hof, Scheuer und Stallungen sowie ein Fischweiher. Seit 1744 bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war der im 17. oder 18. Jahrhundert auf dem Gelände der ehemaligen Burg - nach Überlieferung auf deren Grundmauern - errichtete Gasthof Zur Burg Poststation.

Um 1230 werden in Neuhof drei Familien, nach Ende des 30jährigen Krieges keine, 1650 nur zwei Haushaltungen genannt. Trotz schwieriger Vorraussetzungen für die Landwirtschaft war nach dem 30jährigen Krieg ein stetiges Wachstum der Einwohnerzahlen zu verzeichnen. Um 1800 lebten etwa 300, 1950 um 700, heute über 2600 Bewohner in Neuhof.

Die Entstehungsgeschichte als landesherrliche Gründung mit befestigtem Hof ist im Ortsbild heute nicht mehr ablesbar. Im Grundriss zeichnet sich um Limburger- und Wilhelmstraße ein ovaler mittelalterlicher Kern ab, in dem die Kirche eine Randlage einnimmt. Das Oval weist allerdings im Osten zur Aar hin eine Lücke auf: hier deutet die Flurbezeichnung An der Burg auf den Standort dieser baulich nicht überkommenen Anlage hin. Ein Teich südlich des Ortes verschwand mit dem Bau der Aartal-Chaussee.

Mit dem traditionsreichen Gasthof Zur Burg, der 1979 einem Neubau wich, verlor der Ortskern das wichtigste Element seiner Ansicht von der Aarstraße aus. Der durch die Großstadtnähe und günstige Verkehrsanbindungen bedingte Veränderungsdruck hat das Ortsbild entscheidend geprägt, wobei die modern ausgebaute historische Straßenkreuzung als Verkehrsknotenpunkt nach wie vor eine Vorrangstellung einnimmt. Ältere Fotos zeigen den ehemaligen Gasthof Zur Burg als Teil eines dörflichen Ensembles. Verputzter Fachwerkbau mit hohem Krüppelwalmdach, daran anschließend die lange Fachwerkfront der Scheunen- und Remisengebäude. Reste historischer Bausubstanz: Limburger Straße 20 nahe der Kirche, angebl. erste Schule von 1610. Limburger Straße 32, angebl. ehem. Henkershaus. Idsteiner Straße 19, Fachwerkhaus um 1800, Obergeschoss verschiefert. Limburger Straße, Kleinhofreiten des 19. Jahrhunderts, bei Nr. 17 Haustür um 1850 erhalten. Scheune Ecke Galilei-/Fabriciusstraße, Torsturzbalken mit Schnitzprofil, 18. Jh. Lindenborn, ehem. Brunnen.