Haus und Herzogtum Nassau
home


Das Herzogtum Nassau bestand nur 60 Jahre (1806-1866). Eine kurze Zeit, bedenkt man, dass es sich bei dem "Haus Nassau" um ein sehr altes Adelsgeschlecht handelt. Durch die geographisch zentrale Lage im damaligen Deutschland war Nassau nach allen Himmelsrichtungen territorialen Spannungen ausgesetzt. Der Hauptgrund für die kurze Existenz des Herzogtums dürfte aber in der Schwächung liegen, die es durch die vielen Erbfolgen und Erbteilungen erfahren musste. So konnte es nicht zu einer inneren Festigung des Herzogtums kommen. Von daher war die Annektierung Nassaus im Jahre 1866 mehr oder weniger als eine zwangsäufige Folge anzusehen.  

Das Herzogtum Nassau hatte ca. 83.000 Einwohner und lag im mittleren Deutschland, grenzte nördlich und westlich an die preußischen Provinzen Westfalen und Rheinland, östlich an Frankfurt, Hessen-Homburg, Hessen-Darmstadt und den preußischen Kreis Wetzlar; die Südgrenze waren Main und Rhein.  

In den Gegenden zwischen Rhein, dem Main und der Lahn, also im "Nassauischen", wohnten zur Zeit der Römer und diesen untertan erst die Mattiaken, eine chattische Völkerschaft (bei Wiesbaden), und später Alemannen. Das Christentum ist hier schon im 4. Jahrhundert von Mainz und Trier aus gepredigt worden; später gehörte das Land zu den Erzdiözesen Mainz und Trier, zum kleinsten Teil nach Köln. Nach der Unterwerfung der Alemannen durch Chlodwig 496 wurden diese Gebiete zum fränkischen Reich geschlagen, von fränkischen Einwohnern besetzt und kamen durch den Vertrag von Verdun 843 zum ostfränkischen, d.h. deutschen Reich. 

Erstmals 815 werden Grafen im Gau Kunigessundra (Ämter Wiesbaden und Hochheim) Hatto I. erwähnt. Mit diesem Geschlecht scheinen die Grafen von Laurenburg (den ehemaligen Besitzern der Laurenburg in der Herrschaft Esterau gelegen, das seit 1643 Grafschaft Holzappel hieß) durch verwandtschaftliche Bande zusammenzuhängen.

Als erster wird um 970 Drutwin, Herr von Laurenburg, genannt. Von ihm oder wahrscheinlicher von seinem Bruder Dudo stammen ab: Graf Dudo und Drutwin von Laurenburg (etwa 1076-1124), zwei Brüder, die auf einem Berg auf dem linken Ufer der Lahn die Burg Nassau erbauten. Dieser Name findet sich in Urkunden erst 915 für ein Hofgut (curtis Nassowa). Drutwins Nachkommen nannten sich Grafen von Nassau.

Die Lehnshoheit über die Burg Nassau ging 1192 von dem Erzstift Trier auf das Reich über. Um 1195 wurde Weilburg erworben. Graf Heinrich (gest. 1247) schenkte die Hälfte der Stadt Siegen (1224) dem Erzstift zu Köln, was zu einem 200jährigen Streit zwischen seinen Nachkommen und dem Erzstift führte, bis dieses seine Ansprüche auf Siegen wieder aufgab. Von seinen Söhnen erhielt bei der Teilung vom 17. Dez. 1255 Walram II. die Besitzungen auf dem linken Lahnufer und wurde Stifter der Walramschen Hauptlinie, Otto I., dem die Besitztümer auf dem rechten Ufer zufielen, Stammvater der Ottonischen oder Nassau-Oranischen Linie, die den Thron der Niederlande einnehmen wird. Von Walrams Söhnen wurde ältere, Diether, 1300 Erzbischof von Trier; der jüngere, Adolf, übernahm 1277 die Verwaltung des väterlichen Erbes wurde 1292 zum deutschen König erwählt, verlor aber in der Schlacht bei Göllheim (2. Juli 1298) Thron und Leben. Bei der Teilung (1355) unter Adolfs Enkel begründete Adolf II. die alte Idsteiner Linie (Herrschaften Idstein und Wiesbaden, Johann I. die alte Weilburger Linie (mit Weilburg, Kleeberg, Bleidenstadt); doch behielten beide Brüder gemeinschaftlich mit dem nassau-oranischen Haus die Burg Nassau, die Esterau und die Vogtei Schönau. Die alte Idsteiner Linie, welche 1540 evangelisch wurde, erlosch 1605. Die Besitzungen fielen an die Weilburger Linie.

Der Stifter der alten Weilburger Linie, Graf Johann I. (gest. 1371), wurde 1366 in den Reichsfürstenstand erhoben, auf deren Würde seine Nachkommen aber verzichteten. 1442 teilten seine beiden Enkel Philipp II. und Johann II., indem der erstere im Stammland den Weilburger Namen fortsetzte, Johann II. aber in den linksrheinischen Besitzungen die alte Saarbrücksche Linie stiftete, die aber mit seinem Enkel Johann III. 1574 wieder erlosch. Philipp III. von Weilburg (1523-59) trat zur protestantischen Kirche über; sein Enkel Ludwig II. vereinigte nach dem Erlöschen der alten Idsteiner Linie (1605) die Lande derselben mit den seinigen. Er hinterließ 1627 drei Söhne, Wilhelm Ludwig, Johann und Ernst Kasimir, die die väterlichen Besitzungen so teilten, dass Wilhelm Ludwig, als Stifter der neuen Saarbrückschen Linie, Ottweiler, Saarbrücken und Usingen, Johann, als Stifter der neuen Idsteiner Linie, Idstein, Wiesbaden und Lahr erhielt, während Ernst Kasimir in Weilburg, Kirchheim, Merenberg und Kleeberg die neue Weilburger Linie begründete.

Die Idsteiner Linie erlosch schon 1721 mit Georg August Samuel, dem 1688 von dem Kaiser Leopold I. die Erneuerung der alten Fürstenwürde bewilligt worden war, worauf ihre Besitzungen an die Linie Nassau-Saarbrücken fielen. Der Stifter der neuen Saarbrückschen Linie, Wilhelm Ludwig, hinterließ 1640 drei Söhne, die 1659 eine neue Teilung vornahmen. Johann Ludwig erhielt Ottweiler, Gustav Adolf Saarbrücken und Walrad Usingen. Die Linie Nassau-Ottweiler starb 1728 aus. Die Saarbrücksche Nebenlinie erlosch bereits 1723. Länger bestand die Usingische Linie, deren Stifter Walrad 1688 ebenfalls in den Fürstenstand erhoben wurde und sich als Feldherr in den Diensten der Generalstaaten der Vereinigten Niederlande Ruhm erwarb. Sein Enkel Karl (1718-75), nach dem Erlöschen der Saarbrückschen und Ottweilerschen Linie Herr aller neusaarbrückschen Besitzungen, teilte mit seinem Bruder Wilhelm Heinrich II. und nahm für sich die Länder diesseits des Rheins. Sein Sohn Karl Wilhelm schloss 1783 mit Nassau-Saarbrücken, Nassau-Weilburg und Nassau-Dietz (dem Oranischen Zweig) den nassauischen Erbverein, durch den die Zusammengehörigkeit und Unveräußerlichkeit von ganz Nassau und das Recht der Erstgeburt anerkannt wurden. Durch den Frieden von Lüneville verlor er die Erbschaft Wilhelm Heinrichs II., der die Saarbrückschen Lande jenseits des Rheins besessen (1100 km² mit 60.200 Einwohnern) hatte, wurde aber beim Reichsdeputationshauptschluß 1803 mit den mainzischen Ämtern Königstein, Höchst, Rüdesheim, Hochheim, Oberlahnstein, Eltville, Kastel (diese wurde 1806 an Frankreich abgetreten) u.a., mit dem pfälzischen Amt Kaub, den kurkölnischen Ämtern Deutz und Königswinter, den hessischen Ämtern Katzenelnbogen, Braubach, Ems, Kleeberg, den Abteien Limburg, Romersdorf, Bleidenstadt, Sayn, der Grafschaft Sayn-Altenkirchen und den Reichsdörfern Soden und Sulzbach, im ganzen 1982 km² mit 92.000 Einwohner, entschädigt. Ihm folgte 1803 sein Bruder Friedrich August, der mit seinem Vetter Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg dem Rheinbund und nach dessen Auflösung dem Deutschen Bund beitrat. Durch den Vertrag mit Preußen vom 31. Mai 1815 erhielt er gegen Abtretung mehrerer Ämter, wie Ehrenbreitstein etc., die oranisch-deutschen Besitzungen Dietz, Hadamar, Dillenburg und Beilstein. Schon bei dem Zutritt zu dem Rheinbund war Nassau zu einem unteilbaren Herzogtum erklärt und durch Besitzungen der Oranischen Linie vergrößert worden, die es aber 1813 und 1814 zum Teil zurückgeben musste. Friedrich August regierte als souveräner Herzog gemeinschaftlich mit dem gleichfalls souveränen Fürsten Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg, an welches nach dem am 24. März 1816 erfolgten Tod Friedrich Augusts, als des letzten Sprossen der Nassau-Usingischen Linie, sämtliche Besitzungen desselben fielen.

Dem Stifter der Nassau-Weilburger Linie, Ernst Kasimir, folgte 1655 sein Sohn Friedrich und diesem 1675 sein Sohn Johann Ernst, der als kaiserlicher Generalfeldmarschall 1703 die Reichstruppen am Rhein gegen die Franzosen befehligte. Zwar ging durch den Lüneviller Frieden für Nassau-Weilburg unter Friedrich Wilhelms Regierung das Amt Kirchheimbolanden (440 km² mit 18.000 Einwohner) verloren; dafür aber wurde es mit den kurtrierschen Ämtern Ehrenbreitstein, Montabaur, Limburg u. a., zusammen 881 km² mit 37.000 Einwohner, entschädigt. Friedrich Wilhelm starb 9. Jan. 1816. Sein Sohn Wilhelm vereinigte 24. März 1816, wie erwähnt, alle Lande der Walramschen Hauptlinie, 4.15 km² mit 340.000 Einwohner, über die er seitdem als über ein unteilbares Herzogtum regierte.

Der Stifter der jüngern Linie des Hauses Nassau, der Ottonischen, Graf Otto I., der zweite Sohn Heinrichs des Reichen, dem bei der Teilung 1255 die nassauischen Besitzungen auf dem rechten Lahnufer zufielen, hinterließ 1290 drei Söhne, von denen der älteste, Heinrich I., die Linie Nassau-Siegen und 1328 nach dem Tod seines jüngsten Bruders, Johann, den er beerbte, die Linie Nassau-Dillenburg, der zweite, Emich I., die alte Hadamarer Linie begründete. Letztere erlosch 1394 im Mannesstamm, und ihre Besitzungen fielen meist an Nassau-Dillenburg. Hier teilten nach dem Tod Heinrichs I. seine beiden Söhne, und der jüngere, Heinrich, begründete auf dem Westerwald die Nebenlinie Nassau-Beilstein, die 1561 ausstarb. Der ältere, Otto II., regierte in Dillenburg bis 1350; seine vier Enkel, die seit 1416 gemeinsam regierten, erwarben 1420 die Grafschaft Vianden im Herzogtum Luxemburg. Der älteste, Adolf, gewann durch Heirat 1384 die Grafschaft Dietz und hinterließ bei seinem Tod 1420 die Hälfte derselben dem Haus Nassau. Dem dritten, Engelbert I., der allein diese Linie fortsetzte, fielen infolge seiner Vermählung mit der Erbtochter der Herren von Polanen, Johanna, ausgedehnte Besitzungen in den Niederlanden (Breda) zu. Seine Enkel teilten erneut: Engelbert II. erhielt 1475 die Gebiete in den Niederlanden, Johann V. in Nassau. Des letztern Sohn Wilhelm der Reiche (1516-59) führte die Reformation in seinem Land ein und beendete den langjährigen katzenelnbogenschen Erbfolgestreit mit dem Landgrafen von Hessen 1557 durch einen Vergleich, wodurch er 450,000 Gulden und den hessischen Anteil an Nassau-Diez erhielt; seitdem nannte er sich Graf von Nassau-Katzenelnbogen. Sein Bruder Heinrich III. hatte 1504 von seinem Oheim Engelbert II. die niederländischen Besitzungen geerbt; Heinrichs Sohn Renatus aber erwarb 1530 aus der Erbschaft seiner Mutter das Fürstentum Orange in Südfrankreich und hinterließ es, da er 1544 kinderlos starb, seinem Vetter Wilhelm I., dem Schweiger, dem Sohn Wilhelms des Reichen. Wilhelm I., der durch freiwilligen Verzicht von den nassauischen Stammlanden ausgeschlossen war, begründete die alte Linie Nassau-Oranien. Nach des großen Oraniers Ermordung (1584) folgte zunächst sein ältester Sohn, Philipp Wilhelm, bis 1618, hierauf der zweite, Moritz, der Erbstatthalter in den Niederlanden, bis 1625, dann der jüngste, Friedrich Heinrich (näheres s. Oranien). Dessen zweiter Nachfolger, Wilhelm III., bestieg nach Jakobs II. Vertreibung den Thron von England (1688); da er aber 1702 kinderlos starb, so erlosch mit ihm die alte Linie Nassau-Oranien. Wilhelms des Reichen ältester Sohn, Johann VI. (1559-1606), der in Nassau-Dillenburg gefolgt war, hob in seinem Lande die Leibeigenschaft auf. Nach seinem Tod begründete von seinen Söhnen Johann der Mittlere die Linie Nassau-Siegen, die sich später in einen katholischen und einen reformierten Zweig teilte und erst 1743 erlosch. Ihre Besitzungen fielen an die Linie Nassau-Diez (Neu-Oranien). Johannes VI. zweiter Sohn, Georg, wurde Stifter der neuen Linie Nassau-Dillenburg, die aber 1739 wieder ausstarb. Ein Seitenzweig dieser Linie war Nassau-Schaumburg, dessen Besitzungen 1676 an Anhalt-Bernburg fielen. Der dritte Sohn Johanns, Ernst Kasimir, Statthalter von Friesland und Groningen, hatte 1606 die Linie Nassau-Diez (Neu-Oranien), den jetzt allein noch fortblühenden Zweig der Ottonischen Hauptlinie, gegründet. Sein Sohn Wilhelm Friedrich wurde 1654 zum Reichsfürsten erhoben, dessen Enkel Johann Wilhelm Friso erbte 1702, nach dem Tode des Königs Wilhelm III. von England, alle Besitzungen des Hauses Nassau-Oranien, mit Ausschluss von Orange, Mörs, Lingen, Neuenburg und Valengin, die der König dem Haus Brandenburg vermacht hatte. Doch wurde das Fürstentum Orange 1713 an Frankreich abgetreten. Johann Wilhelm Frisos Nachfolger Wilhelm IV. Karl Heinrich Friso vereinigte 1743 alle Nassau-Ottonischen Lande und erhielt 1748 die Erbstatthalterwürde der Vereinigten Niederlande. Ihm folgte 1751 sein Sohn Wilhelm V., der anfangs unter Vormundschaft seiner Mutter, der englischen Prinzessin Anna, regierte. Er legte, da die Niederlande von den Franzosen besetzt worden waren, 1795 die Erbstatthalterwürde nieder und erhielt im Lüneviller Frieden die Abteien Fulda und Korvei zur Entschädigung zugewiesen. Er starb am 9. April 1806. Sein Sohn Wilhelm VI. verlor 1806 die Abteien und sogar seine nassauischen Stammlande, da er sich weigerte, dem Rheinbund beizutreten, wurde aber nach Napoleons I. Sturz 1815 als Wilhelm I. zum König der Vereinigten Niederlande erhoben und für die in Deutschland verlornen Territorien mit dem Großherzogtum Luxemburg entschädigt. Er starb 1843, nachdem er 1840 abgedankt hatte, und ihm folgte sein Sohn Wilhelm II. und diesem 17. März 1849 dessen Sohn, König Wilhelm III., mit welchem die oranische Linie im Mannesstamm aussterben wird. Ein vierter Sohn des oben genannten Johann VI. von Nassau-Dillenburg, Johann Ludwig, stiftete die neue Hadamarer Linie, stellte in seinem Lande die katholische Religion wieder her und wurde 1650 vom Kaiser in den Reichsfürstenstand erhoben. Als sein Enkel Franz Alexander 1711 ohne männliche Erben starb, fielen seine Besitzungen an die damals noch übrigen Linien Nassau-Dietz und Nassau-Dillenburg.

Die gemeinsame Regierung der Fürsten Friedrich August von Nassau-Usingen und Friedrich Wilhelm von Nassau-Weilburg (1803-16) huldigte in mancher Hinsicht dem Fortschritt. So hoben dieselben die Leibeigenschaft 1808 auf, erließen 1811 ein auf dem Grundsatz gleichheitlicher Besteuerung beruhendes Steuergesetz und stellten die Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz, ihre Gleichberechtigung zu allen Ämtern gesetzlich fest. Ihrem Land gaben sie 1. und 2. Sept. 1814, zuerst von allen deutschen Fürsten, eine landständische Verfassung. Doch wurde die erste Landesversammlung erst von Herzog Wilhelm (1816-39) 1818 berufen und geriet mit der Regierung, an deren Spitze der dem Metternichschen System geneigte Minister v. Marschall stand, besonders wegen der Domänenfrage in Konflikt. Der Minister stellte die Domänen dem Patrimonialgut des herzoglichen Hauses gleich, behielt ihre Erträge als Zivilliste dem Herzog vor und verlangte sogar, dass die Staatssteuerkasse alljährlich einen Beitrag von 140.000 Gulden als Entschädigung für die durch Aufhebung der Leibeigenschaft erlittene Einbuße an die herzogliche Domänenkasse zahle. Schließlich bewilligten die Stände den Zuschuss bis 1820. Nach längern Zwistigkeiten während der 30er Jahre einigte sich endlich 1836 die Regierung mit den Ständen dahin, jene 140.000 Gulden, zu 2.400.000 Gulden. kapitalisiert, als 3proz. Domänenschuld auf das Land zu übernehmen, und 1837 wurden die Domänen für unveräußerlich erklärt. Am 1. Jan. 1836 trat Nassau dem Deutschen Zollverein bei

Am 20. Aug. 1839 starb der Herzog Wilhelm. Sein Sohn Adolf (geb. 24. Juli 1817) wurde Nachfolger. Dieser gab den Wünschen der durch die Februarrevolution erregten Bevölkerung nach und vereinbarte mit einem nach einem neuen Wahlgesetz berufenen Landtag, der nur eine aus indirekten Wahlen hervorgegangene Kammer enthielt, eine neue Verfassung, welche 28. Dez. 1849 publiziert wurde. Der Herzog erklärte bereits unterm 29. Juni 1850 seinen Beitritt zu dem Dreikönigsbündnis, wozu die Kammer die Genehmigung erteilte. 1851 schlug die Regierung der Kammer ein neues Wahlgesetz vor, stieß jedoch auf Widerstand und schickte die Deputierten heim (2. April). Nun lenkte man in das reaktionäre Fahrwasser wieder ein. Die Regierung publizierte 27. Sept. den Bundesbeschluss wegen Aufhebung der Grundrechte, beseitigte 28. Nov. die Verfassung und erließ ein neues Wahlgesetz. Seitdem gab es wieder zwei Kammern. Im Dezember 1851 trat der Ministerpräsident v. Wintzingerode, der seit 1849 an der Spitze der Verwaltung gestanden hatte, zurück und hatte im Februar 1852 den Fürsten Sayn-Wittgenstein-Berleburg zum Nachfolger. Während in den 50er Jahren das konservative Element im Landtag überwog, errang zuerst 1863 die liberale Partei, welche die Wiederherstellung der Verfassung von 1849 als ihre Hauptaufgabe betrachtete, bei den Wahlen die Oberhand. Unmittelbar nach Eröffnung des Landtags wurde (3. April 1864) Werren zum Direktor der Landesregierung ernannt, doch bedeutete dies keinen Systemwechsel. Als die Zweite Kammer sich 9. Aug. für die Wiederherstellung der Verfassung vom Dezember 1849 und des Wahlgesetzes vom April d. J. erklärte, wies die Regierung dies entschieden zurück und führte im Dezember die Auflösung des Landtags herbei. Bei den Neuwahlen zur Ersten und Zweiten Kammer Anfang 1865 errang die Opposition zwar den Sieg; doch gelang es den äußersten Anstrengungen der Regierung, ihre Partei um einige Stimmen zu verstärken. Die gouvernementale und klerikale Minderheit blieb aber bald aus den Sitzungen weg, so dass die Kammer beschlussunfähig ward. Wiederum schritt die Regierung zu einer Kammerauflösung, erreichte jedoch nur eine ansehnliche Verstärkung der liberalen Elemente.

Jetzt endlich entschloss sich der Herzog, Werren zu entlassen und durch eine Persönlichkeit von gemäßigterer Gesinnung, Winter, zu ersetzen. Allein für die innere Verwaltung blieb Werrens Einfluss auch noch weiter entscheidend, während der Adjutant des Herzogs, General v. Zimiecki, die auswärtige Politik Nassaus im österreichischen Sinn leitete. Unter diesen Umständen war es nicht anders zu erwarten, dass der Herzog von Nassau im Sommer 1866 zu den entschiedensten Anhängern Österreichs zählte. Die österreichische Anfrage vom 16. März beantwortete er zustimmend und verfügte bereits 4. Mai die Mobilisierung seines Kontingents. Die Kammern wurden auf drei Wochen vertagt. Nachdem sie 5. Juni wieder zusammengetreten waren, erging an sie die Forderung eines außerordentlichen Kredits im Betrag von ca. 500.000 Gulden. für Kriegszwecke. Gegen den Willen des Landtags stimmte die Regierung dem Bundesbeschluss vom 14. Juni zu und beantwortete die wiederholte Ablehnung der Kreditforderung (26. Juni und 6. Juli) mit einer Kammerauflösung. Mittlerweile war die Lage in Deutschland eine wesentlich andere geworden, die Schlacht von Königgrätz vorüber und der Herzog von Nassau jeden Augenblick einer feindlichen Okkupation seines Landes gewärtig.

Bereits Anfang Juli erging an die Bewohner Nassaus eine Proklamation des Fürsten von Hohenzollern, als des Generalgouverneurs von Rheinland und Westfalen. Teile des Herzogtums wurden durch die Preußen besetzt. Der Herzog verließ 15. Juli nach dem Treffen von Aschaffenburg seine Hauptstadt, um sich zur Armee, d. h. fürs erste nach Mainz und dann nach Augsburg, zu begeben. Wenige Tage darauf erschienen die Preußen in Wiesbaden und Biebrich und mit ihnen der bisherige Landrat von Wetzlar, v. Diest, der zum Zivilkommissar für Nassau ernannt worden war. Die Bevölkerung brachte in ihrer überwiegenden Mehrzahl ihre Abneigung gegen die frühere Regierung zum Ausdruck. Am 3. Okt. verfügte ein Patent des Königs von Preußen die Annexion des ehemaligen Herzogtums N. Dasselbe bildet seitdem mit Hessen-Homburg und Frankfurt a. M. den Regierungsbezirk Wiesbaden in der neuen Provinz Hessen-Nassau. 1867 erhielt N. ein besonderes Konsistorium, das vom preußischen Oberkirchenrat unabhängig bleiben sollte. Am 22. Sept. 1867 schloss Preußen mit dem ehemaligen Herzog einen Abfindungsvertrag, in welchem ihm für die Aufgabe seiner Ansprüche auf Nassau durch 15 Mill. Gulden. nebst einigen Schlössern entschädigt wurde. Auch blieb dem Herzog von Nassau für den Fall des Erlöschens der oranischen Linie  die Anwartschaft auf Luxemburg.


Nassau-Saarbrücken

Was das Haus Nassau mit dem Saarland verbindet?

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation gilt allgemein als Flickenteppich vieler großer, kleinerer und kleinster Herrschaften sowie freier Reichsstädte.

Ein eindrückliches Beispiel dafür bietet das Haus Nassau. Die zahlreichen Erbfälle und Erbteilungen verzweigten die Ottonische und Walramsche Linien. Im Jahre 1516 spaltete sich eine Linie vollständig von der ottonischen Linie ab und nannte sich  nach der heirat des Fürsten mit Claudia von Chalon und Range (=Oranien, ein Fürstentum an der Südlichen Rhône) Nassau-Oranien; bekannt wurde Wilhelm der Schweiger, der erste generalstatthalter der Niederland und der "Wilhelminus von Naussauen" uas der niederländischen Nationalhymns. Er und seine Söhne führten die Niederlandes im Befreiungskrieg von 1568 bis 1648 in die Unabhängigkeit von Spanien; sein Urenkel wurde 1688 als Wilhelm III. König von England.

Nachdem um 1730 die einzelnen Linien ausgestorben waren, war der gesamte Besitz der walramschen Linie vereinigt worden. Unter der Regentschaft der Fürstin Charlotte Amalie teilte man ihn unter ihren noch nicht volljährigen Söhnen Karl und Wilhelm-Heinrich (1718-1768) auf. die rechtsrheinischen gebiete erhielt der ältere und gerade als volljährig erklärte karl, die linksrheinischen der jüngere Wilhelm-Heinrich.

Im Jahre 1741 trat Fürst Wilhelm-Heinrich die Erbfolge in Nassau-Saarbrücken an und damit begannt für das Territorium eine neue Blütezeit. Fürst  Wilhelm-Heinrich baute Saarbrücken zu einer glanzvollen Residenz aus, förderte im Rahmen seiner merkantilistischen un auf Autarkie gerichteten Wirtschaftsbestrebungen den Bergbau und das Hüttenwesen , suchte eine eigene Salzversorgung aufzubauen und setzte sich im Rahmen einer verbesserten Agrarwirtschaft, ganz nach dem Vorbild Friedrich des Großen, für den Anbau von Kartoffeln ein. In der ehemaligen Residenzstadt Ottweiler begründete er eine Prozellanmanufakttur.

In kluger Einschätzung der gegebenen Machtverhältnisse auf dem europäischen Kontinent verfolgt Wilhelm-Heinrich konsequent eine Politik der Loyalität gegenüber dem heiligen Römischen Reich und der gleichzeitigen Pflege freundschaftlicher beziehungen zur französischen Krone, die nach seinem Tod von seinem Sohn Fürst Ludwig (1745-1797) weitergeführt wurde, was diesem jedoch gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Verhängnis werden sollte. 

Die französische Revoluton veranlasste 1793 die linksrheinischen Landesfürsten ihre Heimat zu verlassen. So musste auch der damals schwerkranke Fürst Ludwig mit seiner zweiten Frau Catharina  Reichsgräfin von Ottweiler und den gemeinsamen Kindern und seinem Sohn aus erster Ehe mit Fürstin Wilhelmine (1751-1780), Erbprinz heinrich (1768-1797), ins Exil. Der Tod Heinrichs von Nassau-Saarbrücken, der sich seit 1793 im Exil befand und die kurz darauf erfolgte einrichtung des französischen Saar-Departments, markierten den endgültigen Untergang des Fürstentums Nassau-Saarbrücken.

Damit ging zwar eine Epoche zu Ende, die nassauische Vergangenheit ist im Saarland aber immer noch gegenwärtig.