Familie Wilhelmi
aus Taunusstein
 
"Wer die Vergangenheit nicht kennt, kann die Gegenwart  nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht, kann die Zukunft nicht gestalten."
Hans Bergmann (geboren 1934 -)






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Die Familie Wilhelmi ist eine der ältesten ortsansässigen Familien in Taunusstein-Wehen und der näheren Umgebung. Erstmals wird ihr Name Ende des 17. Jahrhunderts in den Kirchenbüchern erwähnt.
Der Name Wilhelmi und seine Deutung
Wilhelmi ist ein Patronym auf den Rufnamen Wilhelm mit dessen lateinischen Genetiv auf -i.

Der Rufname Wilhelm basiert auf den Namengliedern althochdeutsch willo, altsächsisch willio "Wille" und althochdeutsch, altsächsisch Helm "Helm".

Der Familienname ist in ganz Deutschland verbreitet, hat aber ein erkennbar höheres Vorkommen in den ehemaligen "Hugenottengebieten" Deutschlands (Beispiel: Gegend um Kassel, Rheinland-Pfalz oder Saarland).


Wehen im 30-jährigen Krieg und der Zuzug von Hugenotten, Waldenser und Wallonen
1644 ist Wehen völlig abgebrannt und ohne Einwohner.  Noch während der Aufbauphase wurde Wehen 1647 erneut abgebrannt, ausgeplündert und entvölkert.
 

Nach Kriegsende (1648) wurde Wehen erneut aufgebaut. Zählte Wehen bei Kriegsende nur noch 5 Einwohner, stieg die Einwohnerzahl durch die Rückkehr der im Krieg geflohenen Einwohner im Jahr 1650 auf 8 Familien.

Vor diesem Hindergrund und der Tatsache, dass das gesamte Obere Aartal durch den 30-jährigen Krieg fast menschenleer geworden war, beschlossen die Nassauer (Graf Johann von Nassau-Idstein) nach Kriegsende die Bevölkerung "aufzufüllen". Dadurch erhoffte man sich auch eine Stärkung der Wirtschaft des Landes.

Man bot Glaubensflüchlinge (Hugenotten, Waldenser und Wallonen) aus Frankreich, der Schweiz und den südlichen Niederlanden (dem heutigen Belgien) steuerlich Anreize und andere Vergünstigungen, damit sie sich in der Zeit von 1680 bis 1700 im Rheingau und im Untertaunus ansiedelten.
Hugenotten, Einheimische und Rückkehrer lebten nun zusammen in Wehen und waren gemeinsam am Aufbau der Stadt Wehen (Stadtrechte seit 1323) beteiligt. Offensichtlich gab es keine größeren Probleme im Zusammenleben mit der einheimischen Bevölkerung. Trotzdem kam es im "Oberen Aartal" nicht zu der Gründung einer Fremdgemeinde, wie beispielsweise Holzappel-Charlottenberg.
 
Viele von ihnen erwarben für wenig Geld Grund und Boden. Über alle Einwohner, die in Wehen von 1650-1680 Grundstücke erwarben, bestand ein Wehener Flurbuch, das Auskunft über ihre Namen gibt. Aus vergangenen Recherchen wissen wir, das das erste Kirchenbuch (Kirchenbuch Nr. 1; Zeit bis 1687) wenig Auskunft gegeben hat. Leider ist das Kirchenbuch Nr. 1 nicht mehr auffindbar. Es muss aber erst in neuerer Zeit verschwunden sein.

Die Liste der eingetragenen Grundstücksbesitzer beinhaltet u.a. die Namen von  Johann Wilhelm Wilhelmi (Krämer und Bauer), Friedrich Wilhelmi (Schneider).


Viele dieser Grundbesitzer waren vor dem Krieg unbekannt. Es muss sich um Zugewanderte handeln. Ob unter ihnen auch Siedler aus der Lütticher Gegend waren, ist nicht bekannt.

Friedrich Wilhelmi (Schneider) wurde von Gräfin Elisabeth von Nassau-Weilburg als Schultheiß nach Neuhof geschickt.

Schwierigkeiten bei den Recherchen
Leider hat die evangelische Landeskirche Hessen-Nassau 2015/2016 ihre Kirchengemeinden angewiesen, interessierten Forschern  keinen Einblick mehr in die Original-Kirchenbücher zu gewähren. Nachforschungen sind nur noch über Verfilmungen (erstellt von den MormonenKirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage“) in der Hauptverwaltung Darmstadt möglich, gegen Entgelt. Grund für diese Anweisung sind also nicht datenschutzrechtliche Bedenken, sondern wirtschaftliche Überlegungen.

Erschwerend kommt hinzu, dass in der Kirchengemeinde Wehen 
11 Kirchenbücher (Nr. 1, 16 bis 23, 25 und 27) nicht mehr auffindbar sind. Weitere Kirchenakten, die Eduard Wilhelmi in seinem Buch „Wehen und sein Grund“ als Quellenangabe ausgeführt hat, scheinen ebenfalls nicht mehr auffindbar zu sein.

Auch die Stadt Taunusstein scheint wenig Interesse an der Geschichte ihrer Stadtteile zu haben. Wiederholte Anfragen zu einer möglichen Einsichtnahme des Stadtarchivs blieben unbeantwortet. Ein Vergleich der Quellenangaben im Buch „Wehen und sein Grund“ mit den Angaben im „Nachweis über das Schrifttum zur Geschichte der Stadt Taunusstein“ lässt vermuten, dass auch einige Gemeindeakten von Wehen „verschwunden“ sind.




Dank für Mithilfe
Einen besonderen Dank gebührt meinem Ur-Urgroßonkel Karl Armin Ludwig Wilhelmi, meinem Urgroßonkel Kurt Wilhelmi, meiner Ur-Urgroßtante Hilde Czymai (geb. Best) und dem leider verstorbenen "Wehener Original" Willi Kraft für ihre hilfreiche Unterstützung.








Die wichtigsten Rechercheergebnisse
Schwerpunkt der Recherchen war die Stammlinie "Wilhelmi".

Die Nebenlinien (Cousinlinien) wurden ebenfalls berücksichtgit, soweit auch hier Erkennisse vorlagen. Wegen der bestehenden Verbindung zu Wilhelm werden in Kürze weitere Ergebnisse  eingearbeitet.

Die wichtigsten Nebenlinien waren Best (mit Frankenbach, Krieger und Hölzel) und Marx (mit Meyer, Menges und Otto).

  • Familie Wilhelmi in Wehen/Umgebung im 17. Jahrhundert
Woher die Einwohner mit den Nachnamen "Wilhelmi" zugewandert sind, dürfte nicht mehr eindeutig geklärt werden können. Zum einen sind sämtliche . Unterlagen (Gemeindeakten und ein Großteil der Kirchenakten) bei den 2 Großbränden (1640 und 1647) in Wehen vernichtet worden. Zum anderen ist aus bereits dargelegten Gründen ein Einblick in die vorhandenen Kirchenunterlagen der damaligen Zeit nicht möglich.

Erstmals taucht der Familienname Wilhelmi um 1660 auf.  Es ist jedoch nicht erkennbar, dass diese "Wilhelmi" in Wehen geboren/getauft wurden oder dass sie Grundbesitz ererbt hatten.

Viele dieser "Wilhelmi" werden etwa zu Beginn des 18. Jahrhunderts namentlich nicht mehr erwähnt. Es liegt Nahe, dass einige nur kurzweilig in Wehen waren und sich dann entschlossen,  weiter zu ziehen oder in ihre Heimat zurückzukehren.

Dies lässt den Schluß zu, dass es sich bei diesen "Wilhelmi" um Hugenotten und/oder Waldensern handelte.

Keiner dieser "Wilhelmi" ist jedoch ein Vorfahre der Familie(n) Wilhelmi, deren Mitglieder bis in die heutige Zeit in Wehen und Umgebung zu finden sind.


  • Stammlinie der (heutigen) Familie Wilhelmi ab Ende des 17. Jahrhunderts
    • Alle Mitglieder der Familie Wilhelmi haben nach jetzigen Erkenntnissen den gemeinsamen Stammvater Johann Jakob Wilhelm. Von Johann Jakob Wilhelm ist nur bekannt, dass er ein Zimmergeselle aus Holzappel und mit Maria Dorothea Krieger  aus Seitzenhahn verheiratet gewesen sei (Quelle: Kirchenbuch Bleidenstadt; Heiratsregister 5/1726).
    • Johann Jakob Wilhelm hatte 3 Kinder.
      • Philipp Peter Wilhelmi (geboren 18. Febr. 1727 in Seitzenhahn, gestorben 15. Jan. 1795 in Wehen)
      • Anna Maria Wilhelm (geboren am 18. Okt.1733 in Seitzenhahn)
      • Christina Maria Wilhelm (geboren am 20. Nov. 1737 in Seitzenhahn
    • Philipp Peter Wilhelmi wird in der Mannes-Stammlinie erstmals der Nachname Wilhelmi" angegeben. Zeitweise ist in den Kirchenbüchern auch der Nachname mit "Wilhelm(i)" eingetragen. Im Laufe der Jahre setzte sich aber mehr und mehr die Schreibweise "Wilhelmi" durch. Beide Schwestern (Anna Maria Wilhelm, geb. 1733 und Christina Maria Wilhelm, geb. 1737) behielten -zumindest bis zur Heirat - den Nachnamen Wilhelm
    • Hugenottenbstammung ?
Es darf angenommen werden, dass die heutige Familie Wilhelmi Nachkommen von zugewanderten Hugenotten sind.

Auch wenn bisher eindeutige Unterlagen fehlen (Kirchen- und Gemeindeunterlagen aus dieser Zeit sind leider verschwunden), lassen überzeugende Hinweise den Schluß zu, dass die Vorfahren der der Familie Wilhelmi Hugenotten waren.

Belegt ist, dass der "Stammvater" Johann Jakob Wilhelm (Zimmergeselle aus Holzappel) war. Fest steht auch, dass im 17. Jahrhundert sehr viele Hugenotten Handwerker waren und aus Holzappel und Dornburg in das Obere Aartal zugewandert sind. Einige dieser Zuwanderer sind seßhaft geworden, andere sind weiter gewandert oder sogar wieder in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Viele der heutigen Familiennamen im Oberen Aartal deuten auf eine Hugenottenabstammung hin.

  • Familienzweige
In ländlichen Gegenden wurden früher die Familiennamen mit Hausnamen oder "Vulgonamen" ergänzt. Die Hausnamen sollten Hinweise geben, aus welchem Anwesen eine Person abstammte. Der Vulgoname hingegen diente dazu, eine Person näher zu beschreiben um sie dadurch von anderen gleichnamigen Personen unterscheiden zu können.

Bekannt sind folgende Familienzweige:

    • Gottliebe-Wilhelmi (Hausname)

Als "Gottliebe-Wilhelmi" werden alle Nachkommen von Johann Gottlieb I. Wilhelmi (1810-1877) genannt. 

    • Leyer-Wilhelmi (Vulgoname)

Als "Leyer-Wilhelmi" werden alle Nachkommen der Wilhelmi genannt, die in der Neustadt von Wehen in der Gemarkung "In der Ley" wohnten und als Tagelöhner in den dortigen Schieferbrüchen (Leybrüchen) arbeiteten oder als "Leyendecker (=Schieferdecker) tätig waren. 

    • Zacher-Wilhelmi (Hausname)

Vereinzelt ist noch die Bezeichnung "Zacher-Wilhelmi" oder "Zacher-Brüder" zu finden. Bekanntester Vertreter war "Zacher-Julius". Er hatte den Beinamen "Zacher", weil er im Hause seines Ur-Großvaters Zacharias Hachenberger geboren und gewohnt hat.

Unabhängig von den Familienzweigen gab es noch Ergänzungen der Vornamen, um eine Unterscheidung vieler gleichnamigen Einzelpersonen vornehmen zu können.

Bekannt sind:
  • Ecke-August
  • Ecke-Adolf
  • Ecke-Mienche
  • Bürsten-Karl
  • Puddel-Philipp
  • Marx´-Otto
  • Marx´-Walter
Kam in einem Familienzweig ein Vorname öfter vor, wurde "durchnummeriert" z.B.  Karl I.  bis  Karl VI.

Familie(n) Wilhelmi in Wehen/Umgebung im 17. Jahrhundert (Hugenotten, Waldenser und Wallonen)




(Anmerkung: Eine verwandtschaftliche Beziehung zu der heutigen Familie Wilhelmi ist nicht belegt.)




Namensübersicht von Mitgliedern der "Hugenottenfamilie" Wilhelmi (17. Jahrhundert




Familie Wilhelmi in Wehen/Umgebung ab Ende des 17. Jahrunderts

Namensübersicht von Mitgliedern der Familie Wilhelmi (17. Jahrhundert
Stammbaum der Familie Wilhelmi (Nachkommen von Johann Jakob Wilhelmi, geb. vor 1700)
Graphischer Stammbaum Familie Wilhelmi
(in Vorbereitung)
Ahnentafel der Familie Wilhelmi und Verwandte
Vorfahren und Verwandte von Heinz Wilhelmi
Graphische Darstellung der Vorfahren von Heinz Wilhelmi
(in Vorbereitung)







Nebenlinien

(in Vorbereitung)

  • Best (incl. Frankenbach, Krieger, Hölzel)
  • Marx (incl. Kettenbach, Meyer, Otto, Zimmermann)




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